Google+ : Unfertig auf Kundenfang.

Google+ : Scheitern hat viele Ursachen. Eine Designfrage.

Seit ein paar Tagen gibt es in den USA eine interessante Debatte über die Gründe für das Scheitern von Google+. Der Auslöser hierfür ist ein Blog-Artikel, der vor etwas mehr als einer Woche auf der Website der New York Times erschien. In diesem behauptet der Autor Nick Bilton, dass vor allem das unfertige Design und die verwirrende Benutzeroberfläche des sozialen Netzwerkes für seinen Misserfolg verantwortlich seien. Dem Autor zufolge sei das Design eines Netzwerkes jedoch so wichtig, dass es auch über fehlende Innovationen hinwegtäuschen könnte – die in den Vereinigten Staaten bekannten Netzwerke Path und Highlight seien beispielhaft für diese Erkenntnis, da sie bestenfalls optimierte Versionen von Facebook, beziehungsweise von Foursquare, wären. Ist die Erklärung für das Scheitern von Googles sozialem Netzwerk wirklich so einfach?

Auch interne Kritik an Google+

Wir haben an dieser Stelle ja schon vor ein paar Wochen in einem Artikel diskutiert, ob der Grund für den Misserfolg nicht eher darin liegt, dass es keine Notwendigkeit für ein weiteres nicht-spezialisiertes soziales Netzwerk neben Facebook gibt. Ein Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters lässt aber auch darauf schließen, dass Google+ auch intern kritisch beäugt wird.

Der ehemalige Google-Mitarbeiter James Whitaker erklärte vor etwas mehr als einer Woche in einem Blog-Eintrag, warum er das Unternehmen schweren Herzens verließ und zu seinem alten Arbeitnehmer Microsoft zurückging. Whitaker war bei Google Development Director und kümmerte sich in dieser Funktion auch um das soziale Netzwerk des Internetriesens. Er sei vor einigen Jahren zu Google gekommen, als es sich noch als innovative Technologie-Unternehmen verstand und habe ein Google verlassen, dass vielmehr einem Werbe-Unternehmen glich. Google+ sei Ausdruck einer veränderten Unternehmenskultur gewesen. Der Anspruch, so gezielt wie möglich personalisierte Werbung zu schalten, habe mit der Zeit den Innovationsgeist des Unternehmens verdrängt. Das Unternehmen habe den Menschen jedoch gleichzeitig weismachen wollen, dass Google+ notwendig und hilfreich sei, da es bisher keine richtige Möglichkeit gegeben hätte, um Inhalte zu teilen. Angesichts der Existenz von Facebook handelte es sich hierbei in um eine steile These.

Google+ für Google und nicht für den Kunden

Whitaker spricht gar von einem Google vor und einem nach Google+ – so sehr sei das Netzwerk zu einem Sinnbild für eine veränderte Kultur innerhalb des Internetunternehmens geworden. Wir haben bereits in einem vorherigen Artikel darauf hingewiesen, dass Google sich und nach und nach das „Microsoft-Syndrom“ einfängt, da es Produkte auf den Markt bringt und modifiziert, die vielmehr dem Unternehmen selbst, als dem Kunden nutzen.

Was lässt sich in diesem Zusammenhang letztendlich zur Frage des Designs sagen? Auch wenn es wichtig ist, ist es in Googles Fall nicht das Hauptproblem. Letztendlich ist es Geschmackssache – Diskussionen über Facebooks Timeline zeigen, dass auch hier nicht jede Entscheidung aus der Design-Abteilung des Unternehmens auf die ungeteilte Zustimmung der Nutzer trifft. Zudem kann Google+ mit einigen Verbesserungen aufwarten. Die Kommentarfunktion für Fotos wurde sogar vom großen Rivalen Facebook kopiert. Vielmehr zeigen auch die Ausführungen Whitakers, dass das Problem von Google+ vielmehr darin liegt, dass der Nutzer am Notebook es – im Gegensatz zu dem Unternehmen selbst – nicht braucht.

Digitale Grüße
XOXO Matthias

Matthias-M. Pook

Social Media Manager (FH). Mehr über Matthias und den Blog Netzschnipsel findest Du unter den Menüpunkten "Autor" sowie "Über".

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