Social Networks: Kein Platz für Deutschland!

Deutsche Social Networks: Erfolglosigkeit vorprogrammiert

Mit den deutschen Social Networks um StudiVZ, Wer-kennt-wen, Lokalisten und Stayfriends geht es so steil bergab, dass wir in Zukunft wohl auf eine Berichterstattung verzichten können. Spätestens im nächsten Jahr sehen wir verwaiste Kommunikationsplattformen „Made in Germany“. Auch hinter Xing steht noch ein großes Fragezeichen, denn der übermächtige Hai LinkedIn sitzt längst hungrig im Becken und wartet auf die nächste Mahlzeit.

Deutschland ist ein Land der Tüftler und Denker. Noch heute partizipieren wir von unseren Erfolgsgeschichten aus der industriellen Revolution. Nur mit der Revolution der Kommunikation durch Social Media tun wir uns verdammt schwer. Ist das alles zu profan und oberflächlich für uns?

Warum Deutschland nie ein erfolgreiches Social Network erschafft

Es ist schwierig, eine Kernaussage darüber zu treffen, welche Mechanismen nicht funktioniern. Ein hochentwickeltes Land mit Geld, schlauen Geistern und einer vernünftigen IT-Infrastruktur müsste doch die Fahnen schwenkend an dieser Revolution teilnehmen. Fehlen uns die „Macher“ oder stecken zuviel Kleingeister und Paragraphenreiter in der Mühle?

  1. Verlage verstehen Social Media nicht
    Die Vorzeigeobjekte in der deutschen Social-Network-Landschaft waren über Jahre unangefochten die VZ-Netzwerke mit dem Urgestein StudiVZ. Dahinter steht die Holtzbrinck-Gruppe, ein (eigentlich) erfolgreiches Verlagshaus aus Stuttgart. Auf Augenhöhe begann man den Wettbewerb mit Facebook und avancierte letztlich zum totalen Verlierer. Der Knock-Out ist da und StudiVz eine Wüste. Die RTL-Gruppe scheitert gerade mit Wer-kennt-wen und jetzt meint der Burda-Verlag das Business-Netzwerk Xing noch intensiver begleiten zu müssen. Der Xing Chef Thomas Vollmoeller hält die Social Networks für einen Teil der Medienbranche. Ok, aber die tradierten Medien sprechen diese Sprache nicht! Auch die News Corporation hat mit MySpace versagt um mal ein Beispiel aus Übersee anzubringen. Fazit: Verlage sollen sich nicht einbilden, sie wären aus igrnedwelchen historischen Gründen prädestiniert für Social Media nur weil die ganze Sache auf „Media“ endet.
  2. Keine mutigen Investoren
    „Just don’t fuck them up“ sagte Investor Peter Thiel einst zu Marc Zuckerberg und gab ihm einen Scheck über 500.000 Dollar in die Hand. Deutsche Startups träumen von solchen Ereignissen. Dieser Punkt ist eine eindeutige Frage der Mentalität: US-Investoren sind nicht nur risikofreudiger, dem Geschäftsmann haften auch nicht ein Leben lang Makel des Scheiterns an. Wenn es ein funktionierendes System im Kontext Social Media gibt, stammt dies aus der USA. Eben durch die gelungene Kombination aus Macher und Investor.
  3. Zu kleiner Heimatmarkt
    Wir sind eine große Nation und doch irgendwie bedeutungslos. Social Media und explizit die hier aufgeworfene Frage nach Social Networks, brauchen einen großen Heimatmarkt um global zu expandieren. In der Literatur wird hier oft von 250 Millionen möglichen Usern gesprochen: Willkommen USA! Und noch einen großen Vorteil hat das Land jenseits des Atlantiks, nämlich die Sprache. Auch in der virtuellen Welt wird englisch geredet.
  4. Keine experimentierfreudigen User
    Wir stehen im engen Kontakt zum neuen Social Network Pheed. Die haben sich gleich Justin Biber in ihr Office geholt und hatten nach einer Woche dank medialem Rummel eine Millionen User. Nein, wir möchten jetzt nicht darüber nachdenken, wie sowas in Deutschland funktioniert! Wer Experimente wagen möchte, braucht einen Spannungsbogen und einen Anleiter. Bei uns beschäftigen sich die Medien aber lieber mit chaotischen Facebook-Parties oder berichten über die Ergüsse eines schleswig-holsteinischen Datenschutzegomanen. Kann Social Media nicht mal als spannendes Kommunikationsinstrument dargestellt werden, welches Freude bereitet?

Diese Liste könnte noch um viele Punkte erweitert werden und erhebt keinerlei Anspruch auf inhaltliche Vollständigkeit der einzelnen Argumente. Wenn sie kurz zum Nachdenken anregt, ist die Aufagbe erfüllt….

Fazit: Deutsche Steinzeitkommunikation meets Social Networking

Social Networks müssen von ihren Erfindern und kreativen Machern geleitet werden, nicht von Verlage. Burda wird sich an Xing genauso die Finger verbrennen, wie konkurrierende (auch internationale) Verlaghäuser mit anderen Netzwerken zuvor. Die Strukturen verkrusteter Verlagshäuser passen nicht in den Kotext Social Media mit seinem revolutionären Habitus.

Ein weiteres Manko ist die uns durch die Medien verbaute Sicht auf Social Media im allgemeinen: Hier wird nicht von Chancen geredet, sondern werden permanent Gefahren flankiert. Ich fürchte mich schon, Facebook in der Google-News Suche einzugeben! Während sich die USA schon auf dem Weg in die Shareconomy befindet, tratschen wir noch über Benimmregeln auf sozialen Netzwerken.

Gute Nacht!

 

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About Matthias-M. Pook

Social Media Manager (FH). Mehr über Matthias und den Blog Netzschnipsel findest Du unter den Menüpunkten "Autor" sowie "Über".