Google+: Nette Nutzerzahlen, aber wenig Aktivität

Google+: Geisterstadt – na und?

Eine neue Studie von RJ Metrics zur Nutzung von Google+ (G+) kommt zum Ergebnis, dass das Prestigeprojekt des Suchmaschinenkonzerns als soziales Netzwerk nach wie vor überhaupt nicht funktioniert. Eine Analyse der öffentlich einsehbaren Profile von 40.000 zufällig gewählten G+Usern ergibt, dass sich Nutzeraktivität und -interaktion auf niedrigem Niveau bewegen. Google, das keine aussagekräftigen Daten zur Nutzung des Netzwerks veröffentlicht, reagiert auf die Ergebnisse mit einem Verweis auf die privaten Aktivitäten der User, auf die Marktforscher keinen Zugriff haben.

Geteilt wird nur über Facebook.

„Aus den öffentlichen Timelines Schlüsse zu ziehen, ist legitim. Im Vergleich zu den öffentlichen Teilen bei Facebook-Profilen passiert bei G+ gar nichts, das wird im privaten Bereich nicht anders sein. User, die wirklich Wert auf Privatsphäre legen, verwenden nämlich weder Google+ noch Facebook. Google+ ist den Usern egal, das ist aus der Auswertung der Like-Buttons auf Internetseiten ersichtlich. Wenn der Facebook-Knopf schon dreistellige Klickraten erreicht, kommt das Google-Pendant noch nicht einmal auf zwei Stellen. G+ ist als soziales Netzwerk gescheitert“, sagt Gerald Bäck, Geschäftsführer der Social-Media-Agentur digital affairs, gegenüber dem Presseportal Pressetext.

Diese Einschätzung bestätigen auch die Zahlen von RJ Metrics. Im Schnitt können die mehr als 70.000 untersuchten Postings weniger als ein +1, weniger als einen Kommentar und auch kein ganzes Weiterverteilen. Fast ein Drittel der Nutzer, die einen öffentlichen Eintrag schreiben, verfassen nie einen zweiten. Selbst der Suchtfaktor, der bei den meisten Netzwerken zu beobachten ist, stellt sich bei G+ nicht ein. Selbst nach dem fünften Posting liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer nicht zurückkommt noch bei 15 Prozent. Nutzer, die öffentlich posten, lassen sich zwischen den Einträgen im Schnitt zwölf Tage Zeit.

170 Millionen Nutzer auf Google+ und doch nur Stillstand

Verfasst ein Google+ Mitglied einen öffentlichen Post, sinkt die Anzahl der durchschnittlichen monatlichen Einträge ständig. Google sagt, dass die Nutzer des konzerneignen Netzwerks fast ausschließlich in ihren privaten Kreisen verkehren und verweist auf die 170 Mio. registrierten Nutzer. Diese Zahl hat jedoch keine große Aussagekraft, da der Suchmaschinenkonzern mit einer aggressiven Strategie den Nutzern anderer hauseigener Produkte Google+ Accounts praktisch aufgezwungenen hat. Das bringt zwar Anmeldungen, aber keine Aktivität.

 

Die vielen Medienanfragen nach aussagekräftigen Zahlen, etwa den monatlich aktiven Usern, wie sie auch die Konkurrenz veröffentlicht, ignoriert Google bisher beharrlich. Ein Bereich, in dem es Aktivität bei G+ gibt, sind Unternehmens- und Medienseiten. „Jeder, der auf eine gute Positionierung in den Google-Suchergebnissen angewiesen ist, muss eine G+Präsenz unterhalten, seit Google die Suche mit G+ verknüpft“, erklärt Bäck. Ob durch die Präsenz der Unternehmen bei G+ mehr User angelockt werden, ist fraglich. „Das schadet auf längere Sicht eher der Reputation der Suche als G+ beliebter zu machen“, sagt der Experte.

Die Objektivität, die bisher immer die Stärke der Google-Suche war gefährdet. „Wenn mich eine Suche nach Britney Spears auf ihre seit Monaten nicht aktualisierte G+Seite bringt, statt zu ihrem Facebook-Profil, wo sich tausende Fans tummeln, ist das eine Verschlechterung der Suchgergebnisse“, so Bäck. Nur weil G+ als soziales Netzwerk nicht funktionieren will, heißt das nicht, dass Google nicht zufrieden sein kann. „Die besseren Userdaten aus den Anmeldungen zu G+ verbessern die Kapazität, zielgerichtete Werbung schalten zu können und so gegenüber Facebook nicht ins Hintertreffen zu geraten“, sagt Bäck.

Fazit: Google+ nur Baustein einer Gesamtstrategie?

Wir möchten simple Worte wählen: Es ist einfach kein Leben in der Bude! Was wir in den ersten Monaten noch unter „Startschwierigkeiten“ verbuchen konnten, bleibt bittere Realität. Vielleicht ist aber auch unser Gedankenansatz ein ganz falscher. Google hat im Social Media Umfeld eine ganze Menge zu bieten, was sich beispielsweise durch YouTube zeigt. Auch das Empfehlungsportal Schemer, welches sich nach ersten eigenen Tests richtig gut anfühlt, steht kurz davor, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Google+ darf also auch gerne als ein Baustein in der Social Media Gesamtstrategie des Internetriesen angesehen werden.

Auf der anderen Seite hat es bisher kein Google Projekt geschafft, nach einem Fehlstart noch die Kurve zu bekommen. Und wenn Google+ scheitert? Social Media ist eine Revolution der Kommunikation, die sich im Internet abspielt. Der schwergewichtige Riese bietet eine überragende Infrastruktur, Milliarden von Nutzerdaten und ein gesund gewachsenes Know-how. Ein verwaistes Google+ ist noch längst kein Anzeichen für eine verlorene Schlacht!

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Prima Sonntag!
Matthias

Matthias-M. Pook

Social Media Manager (FH). Mehr über Matthias und den Blog Netzschnipsel findest Du unter den Menüpunkten "Autor" sowie "Über".

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  • Klemens S

    Mit Google+ habe ich andere Erfahrungen.
    Aber Artikel wie diese leben meist von Extremdarstellungen um Klicks zu produzieren. ;)

    • So extrem finde ich den Artikel garnicht. Am Ende sind ist doch aufgeführt, dass es sich vermutlich nur um einen Baustein im Gesamtkontext Social Media bei Google hält. Ich gebe zu, meine Zeit meist auf Facebook zu verbingen und Google+ bisher sträflichst vernachlässigt zu haben. In der Tat: Facebook lebt medienwirksam vom Börsengang und Google+ ist zur Geisterstadt in den Medien mutiert… Gerne ergründen wir Google+ mal intensiver :) Und ja, sobald wir über Google+ berichten und das Wort Geisterstadt fällt, wird geklickt. Aber das ist nicht die Intention dahinter. Ein Nebeneffekt, den wir verständlicher Weise aber gerne mitnehmen. Netter Gruß aus Westfalen

  • Isis Neuerbourg

    Eine verlorene Schlacht noch lange nicht, aber eine neue Quadratur des Kreises. „Kritische Masse“ und Nutzerbindung sind hier die wichtigen Schlagworte. Der nicht aktive Nutzer als Zerstörungskraft und der aktive Nutzer als Fundament. Ein Missverhältnis mit Folgen. Ich verbleibe derweil mit einem Hangover anstatt mit Hangouts: http://www.isistown.de/2012/05/28/googleplus/

  • Christoph Schaddach

    Facebooks Vorteil: Alle sind schon da. Daher wahrscheinlicher, dort Leute zu treffen, die man auch im „RL“ kennt.

    Google+ Vorteil: Während laut FB-Nutzerbedingungen keine Freundschaftsanfragen an Fremde erwünscht sind, und das Programm auch versucht, diese zu verhindern (1/5 meiner FB-Freunde haben Probleme damit !).
    wird man bei g+ zu Kontaktaufnahmen mit bislang Fremden bei ausdrücklich ermutigt.

    Also habe ich aufgehört, bei FB Freundschaftsanfragen zu stellen, weil a) ich mich doch gern an Regeln halte und b) mich meine -schon nach 2 Monaten über 250 g+ Kreislinge schon voll auf Trab halten.

    So ist g+ also ein Netzwerk für ziemlich aktive Leute geworden, und Dutzende male weitergeteilt ist bei den „angesagt auf google+“ -posts keine Seltenheit. Bei meinen Posts, obwohl erst seit 2 Monaten dabei, würde ich im Durchschnitt 5 Plusse, 0,5 x weitergeteilt und 0,9 Kommentare angeben – aber „echte“ Kommentare, d.h. nicht „geiles Foto“, sondern Auseinandersetzungen mit oft schwierigen Themen. Würde ich nicht oft auch Karrikaturen weiterteilen, wäre der Kommentaranteil noch höher, weil bei Witzen kaum jemand was dazuschreibt. Wozu auch einer kürzestmöglichen Beschreibung etwas hinzufügen ?

    Und in jedem Netzwerk ist nichts los, wenn man dort noch niemand kennt. Bei FB kann man nach Freunden aus dem RL suchen, und bei g+ dafür Leute einkreisen, deren Kommentrate irgendwo einem gefallen, oder auch mal an ner Kreisteilaktion sich anhängen… d.h. neue kennenlernen, die man im RL eher nicht kennengelernt hätte. Wenn das keine Marktlücke ist !

    • Hallo Christoph,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine spannenden und nachvollziehbaren Ansichten.

      Ich werde jetzt auch endlich mal versuchen, Google+ etwas mehr zu etablieren, beziehungsweise mich auch dort mal zu tummeln. Nur reden hilft ja nichts ….:)