Infrastrukturkosten bei Facebook im Detail

Was kostest Du Facebook? – Account 1 Dollar

Willkommen auf dem heiligen Parkett. Der lang erwartete Börsengang des zuckerbergschen Imperiums liegt endlich hinter uns. Manch frisch gebackener Millionär oder gar Milliardär erwacht gerade mit Katerstimmung und kann sich langsam wieder mit den wirklichen Fakten des weltweit größten sozialen Netzwerks beschäftigen. Nachdem auch uns der Börsenhype in den letzten Wochen in seinen Bann zog, wollen wir Facebook wieder nüchtern und unverkatert betrachten. Eine Frage, auf die wir bisher wenig Antworten fanden ist die, welche Kosten dem kalifornischen Branchenprimus eigentlich für unsere Nutzung entstehen.

Facebook : Enorme Kosten für Hardware, Personal und Energie

Die technische Infrastruktur, die Facebook für eine stetig wachsende Anzahl von Nutzern zur Verfügung stellt, erfordert enorme Ausgaben. Die Kosten, die für Hardware, Personal und Energie fällig werden, haben sich in den vergangenen drei Jahren von 60 Cent auf rund einen Dollar pro User gesteigert. Zwar gibt es immer wieder technologische Fortschritte, wie eigens entwickelte Stromspar-Server, die Kosten werden tendenziell aber weiter steigen. Neben Gefolgschaft wächst nämlich auch der Datenhunger der Apps und der Anspruch an die Geschwindigkeit. Solange der Umsatz schneller wächst als die nötigen Investitionen, hat Facebook aber kein Problem, sagen Experten.

Facebook steckt dieses Jahr 1,8 Milliarden Dollar in die Infrastruktur

„Für viele Menschen ist Facebook bereits synonym mit dem Internet. Die meisten neuen Internet-Nutzer werden sich einen Account anlegen. Deshalb wird das Wachstum weitergehen, wenn auch nicht mehr so schnell wie bisher“, sagt Richard Hemmer von der Social-Media-Agentur digital affairs gegenüber dem Portal Pressetext. Diese wachsende Nutzerbasis ist das Kapital von Facebook, Gleichzeitig aber auch ein enormer Kostenfaktor. Die technologische Infrastruktur muss mit dem Wachstum Schritt halten.

Im Jahr 2011 investierte das soziale Netzwerk 1,1 Mrd. Dollar in Infrastruktur. Dieses Jahr sollen es sogar 1,8 Mrd. Dollar werden. Ein großer Teil dieser Ausgaben fließt momentan in den Bau neuer Datenzentren in Schweden und Oregon. Wie die Konkurrenz bei Google und Co setzt auch Facebook auf eigene Rechenzentren statt gemieteter Einrichtungen, um Kosten zu sparen. „Die Hardware ist heute viel billiger als noch vor fünf Jahren. Hier sehe ich kein großes Problem für Facebook“, so Hemmer.

Schaufellader: 300 Millionen Fotos werden täglich auf Facebook hochgeladen.

Errichtung und Erhalt solcher Netzwerke ist teuer. 526 Millionen Nutzer täglich benutzen Facebook und laden dabei 300 Mio. Fotos auf die Server. Nicht nur die Menge an Daten, sondern auch die Geschwindigkeit ist enorm. Facebook ist das schnellste soziale Netzwerk. Die durchschnittliche Zeit, die die Server zum Antworten brauchen, wurde von etwa einer Sekunde im Jahr 2010 auf aktuell 0,73 Sekunden gesenkt. Das ist doppelt so schnell wie der nächstbeste Konkurrent LinkedIn. Die Anzahl der Server betrug schon 2009 etwa 30.000 und hat sich seit damals mehr als verdoppelt.

Die Ausgaben für Infrastruktur bei Facebook wären noch weit höher, wenn das soziale Netzwerk nicht viel Geld in die Entwicklung effizienterer Technologie investiert hätte. Hardware- und Software-Optimierungen haben eine gröbere Kostenexplosion verhindert. Steigende Ausgaben werden sich aber auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Zu große Investitionen sind aber kontraproduktiv. Zu schnelles Infrastruktur-Wachstum verringert den Profit unnötig. Zu langsames Wachstum verhindert die volle Ausschöpfung des Reservoirs an Neukunden. Facebook muss die goldene Mitte finden.

Facebook hat die Besten – 1 Milliarde Menschen“bedienen“

„Facebook holt sich seit Jahren die besten Leute. Die werden auch in Zukunft für Innovationen sorgen“, sagt Hemmer. Ob sich das Ausweiten der Kapazitäten wirklich lohnt, kann erst im Nachhinein beurteilt werden. Auch neue Nutzer, die weniger Profit bringen, wie etwa Kunden aus Ländern außerhalb Europas und der USA, zwingen Facebook zu Anpassungen. Stellt sich heraus, dass der Umsatz nicht im erwarteten Ausmaß gesteigert werden kann, wird das zum Problem. Auch technologisch wächst die Herausforderung an die Infrastruktur. Eine Mrd. Kunden könnten unerwartet schwierig zu bedienen sein.

Matthias-M. Pook

Social Media Manager (FH). Mehr über Matthias und den Blog Netzschnipsel findest Du unter den Menüpunkten "Autor" sowie "Über".

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